Messenger mit Privatsphäre

Für die meisten Menschen, die Messenger benutzen, ist der Begriff wohl gleichbedeutend mit «WhatsApp». Dieser Dienst zählt angeblich mehrere Milliarden Benutzer.

Was viele entweder nicht wissen, oder es ist ihnen egal: WhatsApp gehört wie Facebook und Instagram zu Meta, und die Einstellung des Zuckerberg-Konzerns zu Datenschutz und Privatsphäre ist erwiesenermaßen skandalös. Besser gesagt, sein höchst einträgliches Geschäftsmodell besteht gerade darin, möglichst viele Daten jeglicher Art von seinen Benutzern (= Lieferanten) zu sammeln, im großen Stil mittels KI in Beziehung zu setzen, auszuwerten und zu verkaufen. Etliche weitere hässliche Aspekte und bedenkliche Folgen für uns sind damit verbunden, aber das führt an dieser Stelle zu weit.

Die gute Nachricht: Es gibt sehr interessante Alternativen. Ob der großen Auswahl fällt es vielleicht sogar schwer, eine Wahl zu treffen. Zum Glück wurden einige hilfreiche Vergleiche und Bewertungen veröffentlicht, z.B. hier, hier, hier oder hier. Eigentlich müssen wir nur unsere Prioritäten klären und ein paar Apps ausprobieren.

Wenn die Entscheidung gefallen ist, Kontakte informieren und sie bitten, sich das mal anzuschauen. Jemand muss halt den Anfang machen, denn solange alle beim Platzhirsch bleiben, ist jede Veränderung schwer. In der Regel wird man die neue Anwendung zunächst parallel benutzen, also kann mit einem Versuch niemand etwas verlieren – nur gewinnen.

Unsere Empfehlung

Unter Berücksichtigung der Gesichtspunkte Sicherheit, Privatsphäre und Transparenz – jedoch ohne den Bedienkomfort zu vergessen – möchten wir euch konkret zwei Messenger-Alternativen ans Herz legen. Beide sind Open Source-Lösungen, arbeiten mit hochwertiger Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und bieten viel Kontrolle über die Metadaten:

  • Signal ist zwar ein zentraler Dienst, dessen Infrastruktur weitgehend über die Server der US-Tech-Giganten Amazon, Microsoft und Google funktioniert, ist aber insgesamt unter unseren Prämissen ein sehr guter Kompromiss. Seine Stärken: Sicherheit und Reduzierung von Metadaten. Das Signal-Protokoll gilt als eine Art «Gold-Standard» und wird auch von anderen Messengern verwendet. Die App bietet vermutlich den einfachsten Umstieg von WhatsApp, unter anderem, weil sie ebenfalls mit der Telefonnummer als persönlicher Kennung arbeitet.
  • XMPP-basierte Messenger arbeiten mit einem lange bewährten, offenen Protokoll. Die dezentrale Struktur ist anbieterunabhängig und ermöglicht weitreichende Selbstbestimmung über viele Aspekte der Kommunikation, im Zweifel mit einem eigenen Server. Von dem Server bekommt man auch seine Benutzerkennung, die wie eine E-Mail-Adresse aussieht. Entsprechend der Philosophie gibt es hier nicht die «XMPP-App», sondern verschiedene Clients. Für Android ist z.B. Conversations eine gute Wahl, für iOS wäre es Monal.

Wir hoffen, vielleicht einen Impuls in Richtung freie Messenger gegeben zu haben und würden uns freuen, euch bald über einen dieser Kommunikationswege zu begrüßen.

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